Das World Wide Web ist die Anwendung, die dem
Internet zum Durchbruch als Massenmedium verhalf. Es ist im
Wesentlichen ein verteiltes Hypertextsystem, das unaufhörlich
wächst und damit immer komplexer wird. Die Folge ist, daß
die klassischen Probleme von Hypertextsystemen,
Orientierungslosigkeit und mentale Überforderung, eine neue
Dimension erhalten. Ansätze zur Navigation und Orientierung
müssen dem offenen Charakter des World Wide Web Rechnung tragen.
Hypertextsysteme gab es schon lange vor dem World
Wide Web. Ihr besonderer Vorteil, das aktive Bestimmen des
Textfortgangs, bringt aber auch Probleme mit sich. Alle
Hypertextsyteme der Vergangenheit fanden zum Teil
unterschiedliche Lösungen, die dem Benutzer und der Benutzerin
Hilfen zur Navigation und Orientierung bereitstellten. Dabei
waren die Systeme aber immer in sich geschlossen und im Umfang
überschaubar. Während in den achtziger Jahren
Hypertextsysteme eher Gegenstand experimenteller Forschung waren,
werden sie heute weit verbreitet eingesetzt und finden sich sowohl im
Hilfssystem von Standardapplikationen als auch im unterhaltenen
Informationsbereich ("Edutainment"). Kapitel 1
beschreibt die Entwicklung von Hypertext und stellt verschiedene
Ansätze zur Navigation und Orientierung darin vor. Dabei wird
aber auch die jeweilige Eignung für das World Wide Web
untersucht.
Das World Wide Web als Anwendung des Internet hat in
kurzer Zeit nach der Entstehung eine stürmische Entwicklung
erfahren. In wenigen Jahren wurde so aus dem Internet als
weitgehend wissenschaftlich genutztem Medium ein populäres
Massenmedium, dessen gesellschaftliche Auswirkungen noch gar nicht
abzuschätzen sind. Das Angebot hat sich explosionsartig
vergrößert und kommerzielle Interessen stehen
gleichberechtigt neben privatem Idealismus. Auf technischer Seite hat
sich mit der erfolgreichen Applikation der Firma Netscape
und dem darauffolgendem Konkurrenzkampf mit der Firma Microsoft
eine Eigendynamik jenseits von Standards entwickelt. Der damit
verbundene schnelle Fortschritt bei der Benutzungsfreundlichkeit
bringt aber auch den für ein offenes System verheerenden
Nachteil der Inkompatiblität mit sich. Verglichen mit der
Hypertextforschung bot das World Wide Web anfangs sehr wenig
Unterstützung für die Navigation und Orientierung. Und auch
jetzt kann vieles durch die offene Natur des Systems nur bedingt
durchgeführt werden. Kapitel 2 zeigt die Entwicklung des World
Wide Web und existierende Ansätze zur Unterstützung von
Navigation und Orientierung.
In Kapitel 3 stelle ich das von mir entwickelte
alternative Navigationswerkzeug AlterNav vor. Als
wichtiges Mittel bei der Navigation in Hypertextsystemen wird die
Liste mit den besuchten Knoten, die sogenannte History, angesehen.
AlterNav ist eine in HTML und JavaScript realisierte
Anwendung, die das Verwalten mehrerer History-Listen innerhalb eines
Seitenangebots ermöglicht. Auch bei späteren Besuchen
können damit Pfade durch die Seiten nachvollzogen werden und der
Kontext zu einzelnen Seiten bleibt erhalten.