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Standardwerk mit Altersflecken
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Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Wettbewerbsstrategie: Methoden zur Analyse von Branchen und Konkurrenten (Gebundene Ausgabe) In der elften Auflage dieses Standardwerks ist auch das Vorwort von Michael E. Porter zur aktualisierten Version aus dem Jahre 1998 abgedruckt. Und schon damals fühlte er sich dazu gedrängt, seinen Ansatz gegen neue Einflüsse und Erkenntnisse zu verteidigen. Was würde er wohl heute schreiben? Er könnte sich zum Beispiel darauf berufen, dass sein Buch noch immer zur Pflichtlektüre für Betriebswissenschaftler, Manager, Marketer oder Werber gehört und noch immer zitiert wird, wenn der Begriff Wettbewerbstrategie fällt. Er könnte auch ohne zu erröten behaupten, dass viele seiner Erkenntnisse ihre Gültigkeit nicht verloren haben. Aber er könnte kaum belegen, dass in den letzten 28 Jahren nichts passiert ist, das er für seinen Ansatz nicht berücksichtigt hätte. Selbst Standardwerke haben eine Verfallszeit, wenn man sie nicht gründlich überarbeitet.
Faktum ist, dass dieses Buch den Ruhm seines Verfassers einläutete und für unzählige Strategen zur Bibel avancierte. Faktum ist aber auch, dass selbst konservative Wissenschaftler zur Einsicht gekommen sind, dass sie ihr Modell vom Homo oeconomicus überdenken müssen. Doch solange sich jüngere Betriebswirtschaftler davor drücken, die Theorien ihres Übervaters mit neuen Entwicklungen und Erkenntnissen zu verbinden, hat Porters Bibel ihren festen Platz noch immer auf sicher. Denn es reicht nicht, einzelne Alterserscheinungen zu bemängeln, ohne einen grossen Wurf zu wagen, wie es Michael E. Porter 1980 unternahm. Und es ist auch stillos, diesen Klassiker nur als verstaubtes Werk vergangener Zeiten zu bezeichnen. Es müsste ein leidenschaftlicher Wissenschaftler die Bühne betreten und mit den Figuren von Porter ein zeitgemässes Stück aufführen. Das wäre zwar viel Arbeit, würde sich aber lohnen.
Mein Fazit: Solange niemand den Porter des 21. Jahrhunderts schreibt, bleibt der Fachwelt nichts anderes übrig, als das fast dreissig jährige Standardwerk des berühmten Harvard-Professors als Ausgangsbasis für neue Strategiemodelle zu nehmen. Daher ist es stimmig, wenn der Campus Verlag nun die elfte Auflage auf den Markt bringt.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. September 2008 |