Viele Konzepte und Ansätze zur Navigation in
Hypertextsystemen könnten in zukünftigen
Weiterentwicklungen des World Wide Web umgesetzt werden (Bieber,
1997). Dabei könnte es eine "evolutionäre"
Entwicklung der Knoten zu abstrakten Datentypen geben, vergleichbar
zum objektorientierten Paradigma in der Programmentwicklung.
Typisierte Knoten und Links ermöglichten eine
Kategorisierung. Link-Attribute könnten für eine
strukturbasierte Suche Schlüsselworte und Zeitstempel enthalten.
Teile des Knoteninhalts, die aus anderen Knoten stammen, könnten
automatisch oder als Hinweis aktualisiert werden. Anmerkungen und
Links würden als persönlich oder öffentlich
gekennzeichnet und mit entsprechenden Sicherheitsmechanismen
versehen. Mit externen Link-Datenbanken könnte die
Aktualisierung einfacher vorgenommen werden. Aus dem persönlichen
Nutzungsverhalten könnten Link-Datenbanken nach den eigenen
Vorlieben generiert werden.
Manche dieser Ideen sind mit den Metainformationen,
die in HTML angegeben werden können, realisierbar. Allerdings
werden diese momentan von den Browsern kaum interpretiert.
Beschreibungen zu einem Link können in HTML 4.0 mit dem
"TITEL"-Attribut festgelegt werden. Diese werden dann
vom Browser beim Überfahren des Links mit der Maus als kleiner
Kasten eingeblendet ("Tool-Tip"). Die wesentlich
universellere Extensible Markup Language (XML) bietet
typisierte Links und vieles mehr (Münz, 1998). XML ist eine
Beschreibungssprache, die weit mächtiger als HTML ist. Zukünftig
wird sie im WWW Bedeutung gewinnen, zumal der Internet Explorer
Version 5.0 sie unterstützt, aber wohl HTML nicht gänzlich
ablösen.
Zu den klassischen Konzepten zur Navigation in
Hypertextsystemen gehören lokale und globale Übersichten,
Pfade und geführte Touren und verschiedene
Backtracking-Strategien (auch aufgabenorientiert). Einiges davon
wurde oben untersucht. Lokale Übersichten und Pfade bzw.
Touren (empfohlene oder erzwungene Wege) können vom Autor bzw.
der Autorin einzelner Seiten mit den zur Verfügung stehenden
Mitteln realisiert werden. Die sehr offene Struktur des WWW
ermöglicht aber dafür keine verbindlichen Richtlinien.
Eine Stärke des WWW ist die Möglichkeit
für jeden Benutzer und jede Benutzerin, auch selber Anbieter
bzw. Anbieterin von Seiten zu werden. Andererseits läßt
sich der sinnvolle Einsatz der komplexer werdenden Möglichkeiten
von HTML von "Amateuren" kaum noch bewältigen.
Außerdem wird so die Entwicklung von konsistenter und
übersichtlicher Navigation erschwert. Daher wird es wohl
zukünftig eine stärkere Trennung von Benutzern und
Benutzerinnen zu professionellen Autoren und Autorinnen geben,
wie sie auch bei der Programmentwicklung stattfand.