Aufgrund seiner Größe und des offenen
Charakters läßt sich vom ganzen Hypertextsystem World
Wide Web keine graphische Übersicht schaffen. Es gibt aber
Überlegungen, zumindest die besuchten Knoten, wie sie etwa in
der History gespeichert sind, oder die Strukturen von einzelnen
Seitenangeboten zu visualisieren.
WebMap ist ein separates Programm, das sich
vom Browser (in dem Fall Mosaic) den aktuellen Knoten holt
(Dömel, 1994). In der Visualisierung werden der aktuelle Knoten
und alle (aus den Links ersichtlichen) Kinderknoten mit verbundenen
Ovalen gezeigt. Verschiedene Farben der Verbindungen weisen auf
unterschiedliche Semantiken hin (z.B. Serverwechsel). Jeder Knoten
erscheint auch bei mehrfachem Aufruf nur einmal im Diagramm. Aus dem
entstehenden Graph wird ein aufspannender Baum gebildet. Eine
graphische Gruppierung einzelner Knoten wäre über
zusätzliche Metainformationen im HTML-Code denkbar (z.B. mit der
schon existierenden "LINK"-Anweisung).
Einen anderen Ansatz wählt die Graphische
History (Ayers, 1995). Als Erweiterung der Browser-Funktionen
(ein modifiziertes Mosaic) wird eine angelegte History
visualisiert. Auch hier wird ein Baum erstellt, zu dem aber nur der
aktuelle Knoten hinzugefügt wird. Dabei ist jeder Knoten als
verkleinertes Bild der Seite dargestellt. Zur Übersicht können
Teile des Baums zu Symbolen verkleinert werden. Ein Knoten kann
mehrfach auftauchen. Der so entstandene History-Baum kann
abgespeichert und später wieder eingeladen werden.
Völlig eigenständige Wege beschreitet
CyberMap (Gloor, 1997). Dabei soll aus einer Textmenge (nicht
notwendigerweise Hypertext) eine graphische Darstellung generiert
werden, die auf den Gewohnheiten und Wünschen der benutzenden
Person beruht. Der Text wird nach inhaltlichen Aspekten in Bereiche
unterteilt (hier "Hyperdrawer" genannt). Innerhalb
dieser Bereiche werden Knoten gebildet, die nach semantischen
Gesichtspunkten über Links verknüpft sind, die
grundsätzlich nichts mit schon vorhandenen Links zu tun
haben. Die generierte Aufteilung der Bereiche und Knoten erfolgt mit
externen Informationen über die Thematik, Benutzungsprofilen und
Analyse der ausgewählten Links. Die WWW-Version von
CyberMap basiert auf Java für die Darstellung und die
Indexierung. Das eigentliche Diagramm kann in zahlreichen Varianten
präsentiert werden (u.a. mit 3D-Objekten).
Die
Darstellung aller Kinderknoten bei WebMap dürfte das
Diagramm schnell unübersichtlich machen. Häufig stehen
auf aktuellen Seiten zahlreiche Verweise zu anderen, was auch mit der
unüberschaubar gewordenen Größe des WWW zu tun hat.
Zudem ist die Form des aufspannenden Baums nicht unbedingt intuitiv.
Die verkleinerten Bilder der Seiten von der Graphischen History
sind in der Praxis oft wenig aussagekräftig. Allerdings
kann ein Bild als optische Markierung für eine interessante
Links-Sammlung diese in der History schneller auffindbar werden
lassen. Fraglich bleibt, ob eine solche Baumdarstellung tatsächlich
Vorteile gegenüber einer sortierten History-Liste hat. Am
ambitioniertesten ist sicherlich CyberMap. Für ein
korrektes Funktionieren müssen aber entsprechende
Metainformationen der einzelnen Seiten zur Verfügung stehen und
eine sinnvolle Indexierung benötigt fortgeschrittene Methoden
der künstlichen Intelligenz.