Schon in den ersten Jahren des WWW gab es
Untersuchungen über die Benutzung von Browsern (Nielsen, 1994;
Catledge, 1995; Jones, 1996; Tauscher, 1997). Grundlage für die
Untersuchungen war der Browser Mosaic. Das Verhalten der
Benutzer und Benutzerinnen wurde in drei Kategorien eingeteilt:
Die direkte Suche nach einer bestimmten Information, eine
themenbezogene Suche und das ziellose "Umherstreifen"
("Surfen"). Diese unterschiedlichen Strategien wurden aus
der Häufigkeit der Zugriffe auf eine Seite und an den
Pfadlängen, d.h., die Anzahl er Seiten bis zur gesuchten
Information, ersichtlich. Als Schlußfolgerung für die
Designer und Designerinnen der Seiten ergibt sich, daß das
Angebot für die verschiedenen Strategien aufbereitet werden muß.
Insbesondere sollte es möglichst wenig Zwischenschritte bis
zur eigentlichen Information geben und jederzeit eine Übersicht
des eigenen Angebots verfügbar sein.
Nielsens Studie von 1994 konzentrierte sich auf die
Gestaltung der Seiten. Suchfunktionen innerhalb eines
Seitenangebots sind danach bei den Benutzern und Benutzerinnen zwar
beliebt, reichen aber nicht zur Navigation aus. Vorsichtig müsse
mit Metaphern umgegangen werden, da sie in einem offenen System aus
verschiedenen Seiten mißverstanden werden können. Dem
offenen Charakter sollte eher durch externe Links zu anderen
Seiten Rechnung getragen werden.
Bei der Untersuchung von 1995 nutzten die
Testpersonen kaum die Lesezeichen und die History. Allerdings war
beides in Mosaic sehr umständlich zu bedienen und
existierte nur mit begrenztem Funktionsumfang. Das beliebteste
Navigationsmittel der Browser (auch bei anderen Studien) ist der
"Zurück"-Knopf, der eine gewisse Sicherheit beim
Ausprobieren von Links gibt. Die eigentlichen Links im Dokument
werden aber letztlich am häufigsten verwendet, weshalb
einer sinnvollen Navigationsstruktur der Seiten eine hohe Bedeutung
zukommt. Als weiteres Verhalten zeigte sich, daß bei zu langen
Übertragungszeiten schnell der "Abbruch"-Knopf zur
Anwendung kam. Daraus kann die Forderung nach sparsamem Einsatz
umfangreicher Datenmengen auf einer Seite (z.B. große Bilder
und Java-Applets) abgeleitet werden.
In der Studie von 1996 werden die
Navigationsmöglichkeiten in Laden (über Link oder mit
manueller URL-Eingabe), erneutes Aufrufen ("Zurück",
History) und Neuladen ("Aktualisieren") klassifiziert.
Diese Browser-Elemente harmonieren oft nicht mit den eigenen
Navigationselementen der Seiten. Ein "Zurück"-Knopf
auf der Seite muß z.B. nicht die gleiche semantische Bedeutung
wie der "Zurück"-Knopf des Browsers haben. Da
WWW-Seiten nicht in einem geschlossenen System sind, fühlt sich
die benutzende Person verwirrt, wenn ihr ständig verschiedene,
völlig eigene Benutzungsoberflächen begegnen.
Die Studie von 1997 legte das Augenmerk mehr auf die
Nutzung der History. Dabei zeigte sich, daß viele Seiten
mehrfach besucht werden. Andererseits werden nur wenige Seiten
regelmäßig aufgesucht. Die meisten erneut besuchten Seiten
befinden sich unter den letzten zehn in der History (ohne Duplikate).
Stark bedingt ist die Nutzung der History durch den einfachen
und schnellen Zugriff darauf. Problematisch scheint die Verwendung
des "Stapel"-Modells in der History zu sein, bei der
zuletzt aufgesuchte Seiten "unerwartet" fehlen (mehr dazu
im nächsten Abschnitt).